Depressionen-Selbsttest

Selbsttest – Depression

Beantworten Sie sich nachfolgende Fragen und werten Sie das Ergebnis gewissenhaft am Ende aus. Nehmen Sie dafür mehrere Blätter Papier. Auf einen steht ein „Ja“, auf dem anderen ein „Nein“. Jedes Mal, wenn Sie mit Ja antworten, kommt das Ja-Blatt ein Strich. Antworten Sie mit Nein, folgt auf dem Nein-Blatt ein Strich.

Haben Sie mehr als siebenmal mit „Ja“ geantwortet, sollten Sie zumindest das einmal mit Ihrem Hausarzt gemeinsam besprechen. Möglicherweise ist es eine beginnende depressive Episode, die ja an und für sich noch nichts Schlimmes, geschweige denn überhaupt eine Depression bedeuten muss bzw. sich dahin entwickelt. Unter Umständen kann der Arzt hier noch eine echte und tiefe Depression auffangen.

Haben Sie aber schon mit mehr als elfmal „Ja“ geantwortet, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie bereits an einer Depression leiden. Dann wird es höchste Zeit, über den Hausarzt zu einem neurologischen Facharzt zu kommen, der darüber entscheidet was konkret zu tun ist.

Stressmanagement
Nachdenken – grübeln

Depressionen – Selbsttest

 Folgende Fragen sollten Sie sich gewissenhaft beantworten:

  • eine kurzzeitige Verstimmung oder hält meine Bedrückung schon länger an?
  • Sind Sie öfter mal niedergeschlagen, werfen Sie Kleinigkeiten gleich aus der Bahn?
  • Ist meine Leistungsfähigkeit bereits beeinträchtigt? Schaffe ich beispielsweise mein Arbeitspensum nicht mehr bzw. gerate oft in langanhaltenden Stress?
  • Vernachlässige ich meinen Haushalt oder mich selbst? Gehe ich zum Beispiel unrasiert oder ungeschminkt öfter mal zur Arbeit? Dusche ich nur noch alle zwei/drei Tage? Ist meine Wohnung nicht mehr aufgeräumt oder geputzt? Fällt es mir zunehmend schwerer, all diese Tätigkeiten durchzuführen?
  • Vernachlässige ich Kontakte zu Freunden und Verwandten? Habe ich kaum noch Lust und Freude auszugehen?
  • Habe ich zu nichts mehr Lust und kann ich mich nicht mehr so recht freuen und begeistern?
  • Bin ich plötzlich hyperaktiv und entwickle blinden Aktionismus?
  • Habe ich schon Angst vor dem Aufstehen und komme morgens nicht aus dem Bett?
  • Leben Sie seit einiger Zeit sinnlos in den Tag hinein? Erscheint das Leben öde und langweilig, gar sinnentleert?
  • Sind Sie in der letzten Zeit leicht reizbar und aggressiv?
  • Wachen Sie nachts öfter mal auf und können Sie nicht durchschlafen? Fühlen Sie sich morgens nach dem Schlafen unausgeschlafen? Fühlen Sie sich gar leer und ausgebrannt trotz langer Schlafzeiten?
  • Haben Sie öfter mal Rücken- oder Kopfschmerzen, Magenkrämpfe oder Durchfälle?
  • Ziehen Sie sich in Ihre eigene Wohnung oder in ein Zimmer zurück und möchten sich am liebsten abkapseln?
  • Trauen Sie sich nicht mehr in größere Menschenansammlungen oder Kaufhäuser und Aufzüge hinein?
  • Befürchten Sie einen finanziellen Crash oder schwere Krankheiten?
  • Haben Sie öfter Schuldgefühle?
  • Gehen Sie häufig mit Kleinigkeiten zum Arzt, oder sind Sie bereits ein Hypochonder?
  • Hören Sie nachts Stimmen oder schrecken Sie nachts durch vermeintliche Bilder oder Gestalten im Zimmer auf? Denken Sie nur an Schlimmes, was Ihnen oder in der Welt passiert?
  • Schleichen Sie an Hauswänden entlang und suchen Halt?
  • Reden Sie alles mies und können sich über nichts mehr freuen?

Wenn Sie ein Drittel der Fragen mit „Ja“ beantworten, dann empfehle ich Ihnen, dass Sie das Ihrem Hausarzt zumindest mitteilen und darüber reden.

Es könnte der Beginn einer Depression sein (muss es aber nicht). Bei mehr als der Hälfte der Antworten mit „Ja“ sind Sie sehr wahrscheinlich depressiv. Dann empfehle ich Ihnen dringend professionelle Behandlung in Anspruch zu nehmen. Bitten Sie deshalb Ihren Hausarzt darum, Sie zu einem Nervenarzt zu überweisen. Denn nur der kann Ihnen Therapiestunden bei einem Psychotherapeuten verschreiben.

Und auch das ist nicht so einfach. Denn Sie brauchen zunächst die Zustimmung Ihrer Krankenkasse. Sie können leider nicht einfach zum Therapeuten gehen. Aber in der Regel wird der Sie auch aufnehmen, sofern er einen freien Platz hat, auch wenn das Verfahren bei der Kasse noch läuft. 

Verzweifelter Mann
Verzweifelt und depressiv

Auslöser für eine Depression

Siutationen – Erlebnisse, die zur Depression führen können.

Die Ursachen für den Auslöser einer Depression sind vielfältig. Manchmal ist es der Verlust eines nahen Angehörigen, des Partners. Jeder Mensch braucht Trauerbewältigung, der eine mehr, der andere weniger. Auch das kann ein Auslöser sein. Depressionen sind Zeichen von tiefen Lebenskrisen. Ausgepowert im Beruf, Burn-out, eine kaputte Beziehung oder die Sinnfrage des Lebens überhaupt sind weitere Gründe. Manche Menschen haben im Leben früh viel erreicht. Für sie gibt es plötzlich kein Fortkommen mehr.  Sie sind am Ende ihres beruflichen Aufstiegs, etwa Beamte, und sehen keine höheren Ziele mehr.

Unverarbeitete Kindheitserinnerungen, Vergewaltigungen, Gewalt überhaupt –  auch alles dies kann Depressionen im späteren Leben auslösen. Der Tod eines starken Vaters kann die Initialzündung sein. Die Tochter bricht in Bulimie (Fress-/Brechsucht) aus. Die Scheidung der Eltern kann Kinder in eine Krise stürzen.  Oft fühlen sie sich gar verantwortlich dafür und meinen, weil sie nicht „lieb“ gewesen seien, trennten sich die Eltern. Der Vater oder die Mutter sind Alkoholiker, drogensüchtig.  Die Kinder fühlen sich vernachlässigt, werden gar geschlagen.

Das sind traumatische Erlebnisse, die nicht selten später in Depressionen enden. Oft sind es auch unverarbeitete Geschichten, die dann tiefenpsychologisch wieder an die Oberfläche gebracht werden, um sie dann zu verarbeiten. Verhaltensstörungen gehören auch zu den Depressionen, etwa wenn jemand nicht mit Jähzorn und Aggressionen umgehen kann, Probleme in zwischenmenschlichen Beziehungen hat oder auch gleichgeschlechtlich liebt. Nicht selten leiden gerade homosexuelle oder bisexuelle Menschen unter Depressionen, weil sie ein Schattenleben führen. Aber auch Mobbing am Arbeitsplatz kann Ursache für Depressionen sein. Depressiv können auch Frauen in den Wechseljahren werden, wenn sie ihre Fruchtbarkeit verlieren. Dann haben sie häufig das Gefühl, nicht mehr vollwertig zu sein.

Manche Frauen treibt das in den Wahnsinn bis hin zum Selbstmord.  Der Hormonhaushalt der Frau ist dann durcheinander, und nicht selten muss mit Medikamenten gegengesteuert werden. 

Aber es gehören immer mehrere Komponenten zusammen: der gestörte Stoffwechsel, eine emotional-mentale Vorbelastung und/oder äußere Anstöße. Bei einer depressiven Verstimmung oder wenn sie sich bereits auf dem Weg der Heilung befinden, gibt es zahlreiche Unterstützungsprogramme, die Ihnen behilflich sind.

Ich will achtsam sein

Hilfe bei Depressionen

Doch wer hilft den mittlerweile immer mehr werdenden Depressiven? Hausärzte sind oft überfordert und erkennen viel zu spät das wahre Problem. Nur etwa die Hälfte der Depressionen wird beim Hausarzt festgestellt. Bis ein Depressionskranker in die richtigen professionellen Hände kommt, vergeht oft wertvolle Zeit, zumal dann, wenn die Betroffenen mit ihren Nöten nur schwer herausrücken. Dazu kommt noch ein anderes Problem: Sie warten oft monatelang auf einen Therapieplatz und sind mit ihren psychischen Problemen häufig allein gelassen. Oft dauert es Monate, bis ein Depressiver therapiert werden kann. Nervenkliniken haben gleich lange Wartezeiten. Nur akut Selbstmord gefährdete Patienten kommen sofort in eine geschlossene Abteilung. Es gibt viel zu wenige Fachärzte, und die klagen auch noch über den fehlenden Nachwuchs.  Denn die Ausbildung zum Psychiater ist ein langwieriger Prozess und erfordert Verständnis, Durchhaltevermögen, Mitgefühl und genaues Reflektieren seiner selbst.

Wie meditiert man? Meditation lernen
Meditiere in der Natur – komme zur inneren Ruhe

Was hilft depressiven Menschen?

Grundsätzlich gibt es zwei große Ansätze:  die Psychotherapie in Gesprächsform –  einzeln oder in der Gruppe – und Antidepressiva als Medikamente. Autogenes Training unter Anleitung erlernt, progressive Muskelentspannung und Meditation können allesamt hilfreich sein und depressiven Menschen Linderung verschaffen. Da sie jedoch häufig antriebslos und lethargisch sind, benötigen Sie hier Unterstützung. Familienmitglieder, Partner oder Freunde sollten daher gemeinsam diese Übungen mit ihnen durchführen. Yoga, Tai Chi, Qigong in der Gruppe können ebenfalls eine gute Unterstützung für den Weg aus der Depression sein. Aber auch eine gezielte Lichttherapie kann hilfreich aus dem Loch der Depression heraus führen, gerade in der Winterzeit. Andere Ansätze liegen darin, auch im Schichtbetrieb, den Biorhythmus stärker zu berücksichtigen, die innere Uhr nicht ständig auszuschalten, den Jetlag bei verantwortungsvollen Einsätzen stärker zu berücksichtigen. Es gibt mittlerweile Großfirmen und Industriebetriebe im Schichtdienst, die diesen nun stärker  dem Biorhythmus der Mitarbeiter angepasst haben und damit effektiver fahren. Das hat zwar mancherorts zu erheblichen Umstellungen bis hin zum Fünf-Schichten- System geführt, schlägt sich aber in der Gesundheit der Mitarbeiter nieder, die plötzlich deutlich weniger an Depressionen erkranken. Das ist letztendlich für alle der bessere Weg!

Feel Good

Psychotherapie bei Depression

Grundsätzlich vorab: Um eine Psychotherapie in Anspruch zu nehmen, bedarf es oft langer Wartezeiten. Drei Monate sind hier nicht unüblich. Deshalb sollte sich jeder Depressive erstens über seine Krankheit schnell Klarheit verschaffen (Ist man wirklich depressionskrank und braucht man professionelle Hilfe?) und zweitens so schnell wie möglich um einen Therapieplatz bemühen.

Ein Tipp: Ist man Privatpatient, geht es meistens schneller. Da haben die meisten Therapeuten immer Zeit und Gelegenheit, einen Patienten dazwischen zu quetschen. In jedem Fall: Erkundigen Sie sich bitte nach den aktuellen Sätzen bei Ihrer Krankenkasse und lassen Sie sich eine Quittung geben.

Ist man privat stationär zusatzversichert, kann man sich quasi selbst in eine Fachklinik einweisen. Auch hier gilt: Privat geht fast immer sofort.

Wie oben bereits beschrieben, ist der formale Weg zunächst über den Hausarzt zum Nervenarzt oder Psychiater. Es muss auf jeden Fall ein Facharzt sein. Psychotherapeuten sind in der Regel keine Ärzte, sondern Diplompsychologen, die zwar die Hauptarbeit mit dem Kranken leisten, aber keine Ärzte sind.  Auch kann nur der Facharzt ggf. Psychopharmaka wie Antidepressiva verschreiben.

Es gibt auch Psychiater, die therapieren. Die sind aber eher selten. Meist betreiben sie nur Krisenintervention. Sie müssen einen Nervenarzt schon gut kennen, wenn der Sie therapieren soll. In der Regel haben Sie hier einen Termin im Quartal, und der ist mit maximal 20 Minuten schon gut geplant.

Der Facharzt erstellt eine möglichst exakte Diagnose, damit der Psychotherapeut weiß, wo er in seiner Therapie ansetzen muss. In der Regel werden zunächst 20 bis 25 Sitzungen beim Therapeuten bei der Krankenkasse beantragt.  Meistens erhält man etwa innerhalb einer Woche die Zusage. Es ist ein rein formaler Weg, der üblicherweise nicht verweigert wird und werden kann.

Dann beginnt die Suche nach einem geeigneten Therapeuten, die auch schon vor der Zusage beginnen  sollte. Meistens hilft einem der Facharzt dabei. Der richtige Therapeut ist das A und O. Man muss Vertrauen haben, denn man muss sich ihm weit öffnen (können). Es geht tief ins Detail, ins Intime, ins Persönliche.  Wenn sich ein Depressiver nicht öffnet, nutzt die beste Therapie nichts.  Gute Therapeuten „knacken“ ihre Patienten relativ schnell. Denn nur so können sie gezielt weiterarbeiten.

Der depressive Mehnsch muss also erstens überhaupt bereit zu einer Therapie sein und zweitens sich voll öffnen können. Dazu muss Vertrauen, ja geradezu ein Verhältnis zum Therapeuten aufgebaut werden. Deshalb ist der passende Therapeut so wichtig. Der Arzt kann eine grobe Richtung vorgeben, etwa die: Schickt er den Patienten zu einem Fachmann, der verhaltenstherapeutisch orientiert arbeitet, tiefenpsychologisch vorgeht oder Angstphobien zum Schwerpunkt hat.

Dann kommt es auch darauf an, ob man einen männlichen oder weiblichen Therapeuten empfiehlt. Wer schon eh Probleme mit starken Frauen hat, sollte eher einen männlichen Therapeuten wählen und umgekehrt. Wer eine Vergewaltigung zu verarbeiten hat, ist besser bei einer Frau aufgehoben. Dann kommt es noch darauf an, ob jemand vielleicht einen strafrechtlichen, kriminellen Hintergrund hat, etwa drogenabhängig ist, gestohlen oder eingebrochen ist. Der sollte tunlichst jemanden suchen, der Erfahrung vielleicht im Jugendknast oder generell mit strafrechtlichen Fällen hat. Oft resultieren Depressionen auch aus Beziehungsproblemen. Dann ist es ratsam, einen Paar-Therapeuten zu wählen, der vielleicht später auch den Partner mit ins Boot holt. Traumata nach Schwangerschaftsabbrüchen, Probleme in den Wechseljahren, Angstphobien, Arbeitsplatz-    oder Mobbingprobleme – nicht jeder Therapeut ist für jeden Fall gleich gut.

Erkundigen Sie sich in einem Erstgespräch nach dem Profil des Psychologen ganz genau. Schaffen Sie sich einen ersten Eindruck. Nicht umsonst sind die ersten fünf Sitzungen eine reine Testphase.  Sie dürfen aussteigen, wenn es nun gar nicht passt. Die Chemie muss stimmen, sonst wird es nichts. Sie müssen es mit Ihrem Therapeuten können. So mancher Depressive wechselt auch den Psychologen, weil er nun gar nicht klarkommt, manchmal wird es leider auch zum Irrweg. Eine Sitzung beim Therapeuten dauert i.d.R. 45 Minuten. Man muss konsequent die Termine einhalten, weil sie heiß begehrt sind.  Oft wartet man vier bis zwölf Wochen auf seinen ersten Termin. Wer den Termin nicht rechtzeitig absagt, muss ihn aus der eigenen Tasche bezahlen, und das kann 70 bis 100 Euro kosten oder gar mehr.

Es gibt klare Vereinbarungen mit dem Psychologen, manchmal auch in Form von Verträgen. Etwa bei Selbstmordgefährdeten diese unterschreiben, dass sie sich während der Therapie nichts antun, sonst wird diese selbst beim Versuch sofort abgebrochen. So müssen Magersüchtige beispielsweise auch unterschreiben, dass sie nicht unter ein bestimmtes, festgelegtes Gewicht rutschen, sonst ist die Therapie zu Ende.

Eine Therapie hat klare Strukturen. Die Atmosphäre ist meist behaglich, warme gedämpfte Farben, anregende Bilder, ein angenehmes Ambiente sollen für eine lockere Gesprächssituation sorgen, in der es sich leichter reden lässt. Der Therapeut gibt Anstöße, will aber möglichst was von Ihnen erfahren. In den ersten Sitzungen muss er sich natürlich ein Bild von Ihnen verschaffen, um zu wissen, wo er ansetzen muss.  Im weiteren Verlauf kommen natürlich die Auslöser und Ursachen der Depression auf den Tisch. Ziel ist es, die Mechanismen zu knacken, die zu den Verstimmungen führen.

Mobbingkandidaten etwa werden fit gemacht für den alltäglichen Kampf am Arbeitsplatz bis hin zum Arbeitsplatzwechsel oder einer Gesprächsmoderation im Betrieb.  So soll ihre Situation entkrampft werden. Natürlich steht die langfristige Verbesserung im Vordergrund. Beziehungsprobleme werden analysiert, unter Umständen auch der Partner zu einem Paargespräch eingeladen.  Angstzustände sind zu erforschen, um die Ursachen dafür zu finden. In jeder Psychotherapie geht darum, den die Depression auslösenden Faktor zu knacken, ihn zu erkennen –  auch für den Patienten, und geeignete Gegenwehr zu trainieren.  Oft werden in der Therapie auch Situationen gespielt, um Modelle zu entwickeln.

Anzahl der therapeutischen Sitzungen

Mit 20 oder 25 Sitzungen ist es häufig nicht getan. Oft schließt sich eine zweite und dritte Periode an. Meist hat man zwei bis maximal drei Sitzungen pro Woche, am Ende vielleicht noch eine. Dann geht es aber vermehrt darum, eine Erfolgskontrolle zu starten. Manchmal kommt der Psychologe auch erst nach 30 oder 50 Terminen an den Patienten richtig ran. Auch in der Therapie gibt es ein Auf und Ab. Man ist nicht immer gleich gut drauf. So wie Depressionen mal heftiger und mal schwächer sind, ist der Verlauf auch in der Therapie.

Erst wenn der Patient gefestigt genug für den Alltag erscheint, ist er auch wieder voll arbeitsfähig. In stationären Therapien in entsprechenden Fachkliniken ist auch das Pflegepersonal so geschult, dass es therapeutisch unterstützend eingreift. Beispiel: Jemand, der Schwierigkeiten hat, mit einem Aufzug zu fahren, trainiert das dann mit einem Pfleger. Man nennt das Stresstest. Der Patient wird kontrolliertem Stress ausgesetzt und kann abbrechen, wenn er es nicht mehr aushält. Mit solchen Portionen will man ihn an ein möglichst normales Alltagsleben wieder heranführen.  Oder diejenige, die sich nicht mehr in einen Supermarkt traut, geht mit der Krankenschwester ins Kaufhaus und besorgt Dinge des täglichen Lebens in Begleitung, bis der Patient am Ende ganz alleine losgeschickt wird. Solche praktischen Übungen kann sich ein Psychologe natürlich nicht leisten. In eine Fachklinik kommen allerdings auch nur die schwereren Fälle.

Leider wird das Prinzip der Einzeltherapie in unserer Gesellschaft immer weniger von den Krankenkassen und Rentenversicherungen gefördert. Es macht auch Sinn. Unser modernes Leben basiert auf Gemeinschaft: am Arbeitsplatz, in der Familie, in der Nachbarschaft, im Freundeskreis, in Vereine und eigentlich überall. Insofern sollen Probleme und auch Depressionen in Gemeinschaft gelöst werden. Gruppentherapie steht im Vordergrund. In jeder Gruppe treffen wir auf einen Querschnitt der Gesellschaft.

Probleme, die im täglichen Zusammenleben auftreten, werden über kurz oder lang auch in der Gruppe passieren und gemeinsam zu lösen zu sein. Dafür ist als Moderator der Psychologe in der Gruppe. Er hat in der Regel rund zehn Patienten um sich herum. Er greift ein, wenn es zu heftig wird, er stößt die Teilnehmer auf Mechanismen und Lösungsansätze, bringt die Diskussion in Gang oder wirft ein Thema in die   Runde. Meist geht es um aktuelle Befindlichkeiten. Da wir alle Individuen mit unserem eigenen Kopf und auch den eigenen Manieren, Verhaltensmustern und Reaktionen sind, wird man schnell in der Gruppe auf ein breites Spektrum, ja immer auch auf den gesellschaftlichen Querschnitt stoßen. Gruppe bedeutet immer auch Konflikte wie sie am Arbeitsplatz und im zwischenmenschlichen Zusammenleben passieren.

Aber Gruppe bedeutet leider auch, dass so mancher mit seinen Problemen verschlossen bleibt, weil er sich nicht traut, diese in einer Gruppe zu offenbaren, bestenfalls dem Therapeuten allein. Schuldgefühle oder Scham verhindern dies. Wer möchte schon gerne zugeben, dass er seine Frau oder Kinder geschlagen hat, Alkoholiker/in ist oder infolge Drogenmissbrauches zahlreiche Straftaten begonnen hat…..

Sucht ade

Zu dem Thema: Depressionen in ihrer vielfältigen Form gibt es unzählige Bücher, Videos usw. Ziehen Sie daher, sobald Sie erkennen, dass Ihre depressive Verstimmung in eine Depression umschlägt, Hilfe zu Rate. Anfangs können Ihnen viele Selbsthilfeprogramme, von denen Sie hier einige verlinkt sehen, helfen. Probieren Sie diese aus, entscheiden Sie sich jedoch für professionelle Hilfe, wenn Sie erkennen bzw. Ihr Umfeld Ihnen rät, dies zu tun. Zur Vorbeugung bzw. Unterstützung können Sie gerne alles Weitere testen. Ich wünsche Ihnen ein gesundes, frohes und glückliches Sein!

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